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 Somatic Experiencing

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Amy




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BeitragVerfasst am: 29.01.2009, 20:20    Somatic Experiencing Antworten mit ZitatNach oben

Hat das jemand schon ausprobiert? Ich habe einen Flyer darüber von meinem Physiotherapeuten bekommen, der darauf spezialisiert ist. Hier ist die Erklärung dazu:

Book


Somatic Experiencing ist eine psychophysiologische Behandlung für Menschen, die durch traumatische Erfahrungen belastet sind. Diese Methode eignet sich besonders, die Folgen von Schock und Trauma aufzuarbeiten, und hilft den Betroffenen, wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die eigene Lebensenergie zu gewinnen.

Mit SE wird das traumatische Ereignis körperlich und geistig neu verhandelt. Dabei ist nicht das Ereignis selbst entscheidend, sondern vielmehr die Reaktionsweise des Nervensystems, d. h. wie die physiologischen Regulationskräfte mit der Bedrohung fertig geworden sind.

Mit SE ist es möglich, ohne Inhalt oder Erinnerung zu arbeiten, wenn das Ereignis zu belastend erscheint. Eine mögliche Retraumatisierung bei der Aufarbeitung wird vermieden, indem die im Nervensystem gebundene Energie schrittweise zur Entladung kommt.

Wesentliche Elemente im Heilungsprozess sind: Ressourcenbildung, Erdung, Zentrierung, und das Nachspüren (tracking) der Körperempfindungen, der Verhaltensweisen, Gefühle, Gedanken, der Bilder und Bewegungen.

Zuerst werden mit den Klienten jene Ressourcen entwickelt, die während der ursprünglichen Situation fehlten oder unzureichend waren. Auf dieser gestärkten Basis erfolgt dann die Annäherung an das Trauma. Im Pendeln zwischen den Ressourcen und der für das Nervensystem überwältigenden Erfahrung wird die gebundene Überlebensenergie gelöst. Die Veränderung erfolgt bewusst in kleinen Schritten, damit das System sie auch wirklich integrieren kann.

So kann der Körper die Reaktion auf die Bedrohung auf natürliche Weise zum Abschluss bringen und damit die mobilisierte Energie entladen. Auf diese Weise findet das Nervensystem wieder zu seiner ursprünglichen Selbstregulierungsfähigkeit zurück, die Symptome können sich lösen.

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Richard Till




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BeitragVerfasst am: 31.05.2010, 03:52    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo Amy,
mache seit einem Jahr eine SE- Therapie. Es ist für mich so erleichternd, nicht mehr mit alten Erinnerungen an den Rand der Psychose getrieben zu werden.
Ich kann das inzwischen im Alltag als Orientierung anwenden, in dem ich auf meine Körperreaktionen achte, ohne mich ständig selbst beobachten zu müssen oder um mich selbst zu kreisen. Es gibt einen Weg aus dem "Kognitiven Gefängnis", diesem Irrsinn des Gefangenseins in reflektierenden Reflektionen, die wieder und immer wieder endlos reflektiert werden müssen. Inzwischen verwechsle ich nicht mehr meinen Bauchnabel mit dem Äquator und keine Gedankenwürmer fressen sich durch mein Gehirn. Ich entdecke, dass es eine Welt jenseits des Traumas gibt. Ich bin nicht (mehr) traumatisiert, auch wenn ich noch an den Folgen leide.
Ich würde mich freuen von dir zu hören, weil ich niemand kenne, der diesen Weg betreten hat.

Herzlichen Gruß
Richard

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Amy




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BeitragVerfasst am: 31.05.2010, 11:29    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Ich hab diese Therapiemethode noch nicht ausprobieren können, weil ich sie selbst bezahlen müsste, und bisher einfach nicht das Geld hatte. Mach jetzt erstmal eine Traumatherapie bei einer Psychotherapeutin und dann schau ich weiter. Es ist schön zu hören, dass dir diese Therapie hilft, ich kenne nämlich auch niemanden, der SE ausprobiert hat. Kannst du mir sagen, wie viel das ungefähr kostet?
_________________
Was immer du tun kannst, oder wovon du träumst - fange es an. Johann Wolfgang von Goethe

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Richard Till




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BeitragVerfasst am: 06.06.2010, 15:49    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Sorry Amy,
Hab Deine Frage übersehen. Bei mir bezahlt das die Tk bezahlt, bin gesetzlich versichert. Meine vorherige Therapeutin kam nicht weiter. Stellte einen Antrag auf Therapiewechsel und hab jetzt die volle Stundenzahl. Meine Therapeutin hat die Kassenzulassung. Soweit ich informiert bin, müssen die gesetzlichen Kasse bezahlen. Das gilt auch für Aufenthalte in Akutkrankenhäuser. Es könnte sein, daß das Alexianer-Krankenhaus in Krefeld SE-Therapien anbietet. Die haben inzwischen in Therapeutenkreisen einen mindest ebenso guten Ruf wie die Reddemannsche Klinik in Bielefeld. Gib im Internet SE Therapeuten ein, da müssten irgendwo auch eine Adressenliste stehen. Nicht verwechseln mit "SE-Anwender", das sind keine Therapeuten. Falls Du nicht weiter kommst mail mich an oder schick mir eine PN. Ich kann nur sagen, es ist so schonend, wie ich mir es nie vorstellen konnte. Ich frag inzwischen meinen Körper und nicht mehr den Kopp wenn ich in Schwierigkeiten bin. Der Kopp is gut als Gleichgewichtsausgleich für den Körper. So das war´s.
Gruß Richard

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Amy




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BeitragVerfasst am: 06.06.2010, 19:26    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Danke, ich hatte keine Ahnung, dass die Krankenkasse das auch zahlt. Hier in der Gegend kenn ich eben nur einen Physiotherapeuten, der das anbietet, aber privat. Aber da ich nicht ewig hier im Allgäu vergammeln werde, behalt ich die SE im Hinterkopf und mache sie vielleicht später mal.
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Sandra Nitya Ulmer




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BeitragVerfasst am: 29.07.2010, 16:31    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo !

Ich bin momentan selbst noch in Ausbildung in Somatic Experiencing (SE), im letzten Jahr. Wenn Ihr konkret Fragen dazu habt, fragt.
Es ist nicht korrekt, dass SE Anwender keine Therapeuten sind. Es ist korrekt, dass nicht alle SE Anwender eine Kassenzulassung haben. Ich z.B bin vom Grundberuf Sozialpädagogin und habe daher keine Kassenzulassung. SE wird nur in großen Ausnahmefällen bezahlt. ABER: es ist eine so grandiose und oft relativ sanfte Methode, dass es sich dafür lohnt jeden Cent abzusparen - und ich weiß, auch das ist nicht immer möglich.
Und das finde ich sehr sehr schade. SE ist auf dem neuesten Stand der Forschungen und geht davon aus, dass Trauma eine PHYSIOLOGISCHE, nicht psychische Ursache hat. So dass man sogar ohne Geschichte arbeiten kann. Die Psyche wird nur als Folgestörung in Mitleidenschaft gezogen.
Also wenn Ihr Fragen habt, fragt !
Viele Grüße
Nitya

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Richard Till




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BeitragVerfasst am: 31.07.2010, 00:32    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo Sandra, zunächst einen Wilkommensgruß.
Meines Wissens gibt es keine Schwierigkeiten eine SE-Therapie von den Krankenkassen bezahlt zu bekommen, wenn der Therapeut eine Kassenzulassung hat. Für mich ist halt die Frage, warum sollte ich eine Therapie privat bezahlen, wenn die gesetzlichen Kassen diese im Leistungskatalog haben. Die meisten von uns müssen von ganz wenig Geld leben, sodaß eine privat finanzierte Therapie nicht in Frage kommt. Da sind Tausend € schnell erreicht, und das geht nicht mit dem Absparen centweise. Ist das mal wieder ws nur für Leute mit Geld.

Machst Du jetzt eine Traumatherapeutinnen-Ausbildung oder eine SE-Anwender-Ausbildung?
Du bist in Ausbildung und ich weiß nicht welche Erfahrung Du in der Arbeit mit Traumatisierten Menschen hast. Man hat dir in der Ausbildung etwas über die Wirksamkeit von SE erzählt. Die EMDR Methode wurde und wird nach wie vor genauso Heilsversprechend angeboten, so wie du das mit SE machst. Ständig werden wir mit neuen Heilsbotschaften bombadiert. Alle wollen vor allem eins, ihren Arbeitsplatz sichern, mit unserem Geld und bei Mißerfolg auf unsere Kosten.

Ich hab in 33Jahren Irrfahrt durch den Therapiedschungel schon so vieles auprobiert. Manches hat zunächst gut funktioniert und Erleichterung verschaft. Z.B. Musiktherapie. Nach relativ kurzer Zeit saß ich in der selben Soße und mußte mit der Enttäuschung fertig werden, es wieder nicht geschafft zu haben. Ich hatte mal wieder versagt, denn der Therapeut hatte zu beginn die gleichen Versprechungen gemacht wie Du in deinem Beitrag. Und es vergeht kaum ein Jahr, so wie in der Krebstherapie, dass uns Heilversprechungen gemacht werden. Ich schreib es offen, dieser Apell alles Geld zusammen zu kratzen, der verletzt mich. Im Umkehrschluß heißt das nähmlich, mach ich es nicht, dann bin ich selbst Schuld, dass es mir dreckig geht. Das sagst du nicht, ok. Doch ich würde die bitten hier im Forum behutsamer zu sein! Wir sind Schwerst-Traumatisierte und auf einem langen Leidensweg.

Mich interresiert Folgendes: Bei wievielen Menschen wurde SE angewandt, wie waren die Ergebnisse bezüglich Erfolg und Mißerfolg? Welche schädlichen Nebenwirkungen gab es. Welche Risikofaktoren gibt es? Wie sind die Langzeitwirkungen und Folgen? Ist das erforscht oder sind die Probanden Versuchskanienchen, die auch noch den Menschenversuch auch n och selbst finanzieren müssen?

Für mich ist es unerheblich, ob die Ursache physiologische oder psychische Ursache hat, beides greift ineinander und ein Therapeut muß bei uns Schwerstbetroffenen in der Lage sein, angemessen auf unsere psychischen Defekte und Reaktionen in der Therapie in der Lage sein, einzugehen. Wir bewegen uns oft im Grenzbereich einer Psychose oder sind da schon drin. Wie wir ohne Aufarbeitung unserer Geschichte da rauskommen sollen, ist mir schleierhaft. Um eine Konfrontation mit dem Täter-Opfer-Thema kommen wir nicht rum und das ist eben psychisch. Was machen SE-Therapeuten wenn ihr Gegenüber sich nicht Therapiekonform verhält und z.B. "entgleist"?

Ich bitte dich meinen Beitrag nicht als Polemik zu betrachten und freue mich über einen ernstafte Dialog.
Gruß Richard

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Sandra Nitya Ulmer




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BeitragVerfasst am: 31.07.2010, 07:50    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo Richard

danke für Deine ernsthaften Nachfragen.
Ich möchte gerne darauf antworten so weit es mir eben möglich ist.

Ich möchte gerne auch klarstellen, dass ich keine Heilsversprechen gegeben habe. Das wäre schlicht unseriös und wäre - zumindest bei denen, die auch durch solche oder andere Versprechen traumatisiert wurden- fast eine Retraumatisierung. Ich habe nur gesagt, dass ich es eine grandiose Methode finde. Und das ist ein Unterschied in meiner Wahrnehmung. Auch eine grandiose Methode gibt keine 100% ige oder nur 90% ige Heilungsgarantie. Sowas gibt es bei Trauma einfach nicht. Aber meiner Erfahrung nach ist es möglich, auf eine relativ schonenende Art und Weise mit Trauma zu arbeiten, so dass viele Folgestörungen verblassen oder sich ganz auflösen können. Genauso wie ich immer und überall betone, dasss Traseyo- traumasensibles Yoga- nur eine Therapiebegleitung ist.

Wenn ich Dich verletzt habe bzgl des Geldes tut es mir aufrichtig leid. So war es nicht gemeint. Ich habe ja auch geschrieben, dass es oft nicht möglich ist. Mir ist die finanzielle Situation von traumatisierten Menschen sehr klar. Ich arbeite bereits einige Jahre mit traumatisierten Menschen in verschiedenen Bereichen. Ich möchte Dich einladen, Dir meine Homepage anzuschauen oder mich persönlich kennenzulernen wenn Dir das möglich ist. Mir geht es beileibe NICHT darum, jemandem das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich empfinde es als großes Geschenk, etwas weitergeben zu dürfen, was mir selbst geholfen hat. Ich setze einfach nur die Kette fort.

Zu Deiner Frage zu meinen Erfahrungen zu SE: jeder, der die Ausbildung lernt MUSS eine eigene SE Therapie machen. Ich habe die Wirksamkeit am eigenen Leib und in der Arbeit mit anderen Menschen oft erfahren. Dass der Kern von Trauma ein physiologischer ist, heißt nicht, dass wir nicht mit den Auswirkungen auf die Psyche arbeiten. Ich sehe den Menschen ganzheitlich, mit Körper, Seele und Geist. Es gibt keine Trennung dieser 3 Bereiche meiner Meinung nach. Und eine Traumatherapie muß alle 3 Bereiche umfassen, weil Trauma leider oft auch ganzheitliche Folgen hat.
Die EMDR Methode kann ich nicht beurteilen da ich keine eigenen Erfahrungen habe.

Ich weiß nicht genau, was Du meinst wie ich damit umgehe wenn ein Klient nicht konform sich verhält. Nach meiner Sicht gibt es ein nicht konformes Verhalten erstmal nicht. JedeR die Trauma überlebt hat, ist stark, sonst hätte er nicht überlebt. Und jedeR war findig und klug, einen eigenen Bewältigungsweg zu finden. Und den würdige ich, diesen Weg und diese Kraft.

Was Deine Fragen bei wie vielen Menschen SE angewandt wird etc angeht, möchte ich Dich an den Verein somatic experiencing verweisen. Denn ich weiß die Antworten nicht. Ich weiß nur, dass SE in Deutschland seit etwa 10 Jahren angewandt wird, in den USA schon einiges länger.
Ich bin niemand, der schnell eine Methode lernt weil mir irgendwas versprochen wurde, ganz sicher nicht. Für mich zählt die eigene Erfahrung und die ist sehr positiv.

So, ich hoffe, ich konnte ein wenig aufklären was Deine Fragen angeht.

Viele Grüße
Nitya

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Richard Till




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BeitragVerfasst am: 31.07.2010, 08:27    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Danke für deine schnelle Antwort. Ich unterstelle dir keinesfalls, dass du irgend jemand ausnützen willst. Du bist für mich fassbarer geworden.
Es sind doch die meisten meiner Fragen unbeantwortet geblieben, für mich ganz wichtige. Lass dir mit der Beantwortung Zeit; aber wissen möcht ich es schon.

Nicht therapiekonformes Verhalten der Klienten? Nun das ist meine Erfahrung und die anderer, dass die Unfähigkeit eines Therapeuten adäquat mit den Problemen in der Therapie entstehen, umzugehen, auf den Klienten abgewälzt werden. Das wird als Mißtrauen, Widerstand, Therapieresistenz und letzlich die Furcht der Therapeuten vor den "Koriphäenkiller"! Babete Rothschild hat mir aus dem Herzen gesprochen, in "Der Körper erinnert sich". Kennst Du sicher und sollte zur Pflichtlektüre aller Therapeuten gemacht werden.

Ich mach seit 15 Monaten eine SE-Therapie und die verläuft nicht so schonend wie du es beschreibst. Im Gegenteil! Es ist mir endlich möglich mit meiner Re-Inzenierung als Traumatisierter auseinander zu setzen und diese Haltung allmählich zu korrigieren. Das ist weder sanft noch schonend!
Was die Traumakonfrontation selbst anbelang gebe ich die völlig recht. Oft war und ist es ausreichend, das Szenario wieder anzuschauen. Räumlichkeiten, Lichtverhältnisse, Geräusche. Das Beruhigende für mich ist, dss ich nie die Kontrolle über das Widererleben abgeben mußte, mit Trance hat das nichts zu tun.

Meine , manchmal bange Frage ist, wie lange bleibt das stabil, was ich da erreicht habe. Da hab ich mit den vorausgegangenen Therapieformen bisher von der Hand in den Mund gelebt. Und stand hinterher als der Versager da, dessen schicksal es ist, sich immer wieder im Kreis zu drehen. Sisyphos Bruder, nur daß ich unter den zurückrollenden Felsen gerate und mich dabei immer wieder verletze.

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Sandra Nitya Ulmer




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BeitragVerfasst am: 31.07.2010, 08:51    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo Richard

ich bin gerade noch online bevor ich arbeiten gehen muß.

Mit"relativ schonend" meine ich die Traumakonfrontation. Die Zeiten in denen gesagt wurde, dass man in die Katharsis gehen muß, jedes Detail des Traumas nochmal genau durchleben muß etc etc sind (zumindest mit SE) vorbei. Es heißt nicht, dass man nicht durch seelischen oder ggf auch körperlichen Schmerz durch muß. Trauma ist Trauma und kein Spaziergang, klar. Aber die Art und Weise wie man durch Schmerz durch geht ist anders als bei vielen anderen Therapien. Wie Du schreibst, der Klient lernt, Kontrolle darüber zu bekommen und selbst zu steuern. Wie Du selbst wissen wirst, geht es immer darum, zu pendeln zwischen einem Aspekt des Traumas und einem Gegenaspekt, der heilsam ist. Und dabei sind die Zeiträume so, dass man sehr viel kürzer im Traumaaspekt bleibt als im Gegenaspekt. Und wenn sich dann Traumaenergie löst kann das auch durch Tränen sein, durch Zittern, durch Aufstoßen etc.
Und die Folgestörungen aufzuarbeiten wie Du zB schreibst mit Re-Inszenierungen kann natürlich auch schmerzhaft sein. Aber auch hier gilt: es geht nie darum, voll einzusteigen in Schmerz etc etc. Und trotzdem ist Trauma einfach auch und v.a. Schmerz auf vielen Ebenen.

Das Buch von Babette Rothschild kenne ich natürlich. Ein sehr sehr gutes Buch meiner Meinung nach. Und klar, es kann Widerstand geben in der Therapie und da muß man hinschauen, was die Ursache ist. Ein Therapeut sollte meiner Meinung nach dies offen ansprechen, dann kann man damit arbeiten. Von einer Abwälzung auf den Klienten halte ich nichts. Und Mißtrauen - traumatisierte Menschen sind oft sehr mißtrauisch, haben Sie doch erfahren, dass Ihr Vertrauen in sich, andere Menschen, die Welt m*br**cht wurde. Mißtrauen ist insofern eine normale Reaktion auf unnormale Erlebnisse.

Deine Fragen: " Mich interresiert Folgendes: Bei wievielen Menschen wurde SE angewandt, wie waren die Ergebnisse bezüglich Erfolg und Mißerfolg? Welche schädlichen Nebenwirkungen gab es. Welche Risikofaktoren gibt es? Wie sind die Langzeitwirkungen und Folgen? Ist das erforscht oder sind die Probanden Versuchskanienchen, die auch noch den Menschenversuch auch n och selbst finanzieren müssen?"
wie gesagt, da möchte ich Dich bitten, Dich an den Verein zu wenden, die machen die Forschungsarbeit und sind kompetener Ansprechpartner. Das finde ich zB für mich wichtig: wenn ich etwas nicht weiß, spreche ich es offen an und schaue, wo gibt es Lösungen.

Welche anderen Fragen sind für Dich noch offen geblieben ?

Du schreibst: "Meine , manchmal bange Frage ist, wie lange bleibt das stabil, was ich da erreicht habe. Da hab ich mit den vorausgegangenen Therapieformen bisher von der Hand in den Mund gelebt. Und stand hinterher als der Versager da, dessen schicksal es ist, sich immer wieder im Kreis zu drehen. Sisyphos Bruder, nur daß ich unter den zurückrollenden Felsen gerate und mich dabei immer wieder verletze.".

Diese Befürchtungen kann ich gut nachvollziehen. Ich nehme an, Deine TherapeutIn hat Dir erklärt, wie Trauma auf das Nervensystem wirkt und welche Veränderungen es gibt im Nervensystem durch SE. Dies ist dann wiederum die Grundlage zur Annäherung an eine Beantwortung Deiner Frage. Denn wenn es möglich ist, Dein Nervensystem wieder anzunähern an eine normale "Schwingung" sind das grundlegende Veränderungen, die sich dann natürlich auch auf die Psyche und den Geist auswirken, da ja alles mit allem zusammenhängt. Und die Chance, dass diese bleiben, sind durchaus gut grundsätzlich (Achtung, dies ist kein Heilsversprechen Wink ).

So, ich muß los und wünsche Dir alles Gute. Wenn noch Fragen offen sind, die ich beantworten kann, melde Dich.

Nitya

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Richard Till




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BeitragVerfasst am: 01.08.2010, 16:35    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Liebe Nitya,
es ist gut, dass Du auf mein forsches Fragen nicht widerborstig, sondern souverän reagiert hast. Bin da anderes gewohnt.

Ich hätte nie gedacht, dass ich je der Therapiemühle entkommen kann. Jetzt ist "nur" noch der Kehraus dran. Wieviel Leid wäre mir und meiner Familie erspart geblieben, wenn ich früher auf eine SE-Therapeutin gestoßen wäre. Das macht mich manchmal bitter, da ich alles verloren habe was mir Liebe und Halt bedeuteten. (Darüber wird als Traumafolge so gut wie garnicht gesprochen.)
Doch wirklich lebenslänglich gebranntmarkt zu sein; ich glaube nicht, dass ich das noch lange durchgehalten hätte. So viele Menschen an meiner Seite und in meiner Nähe hab brechen und zerbrechen sehen. Jedesmal ging es an die Substanz.

Am schlimmsten war die Isolation, mit niemand frei und offen sprechen können. Das ist das zweite große Geschenk innerhalb eines Jahres, dass ich in diesem Forum, nach all der Rastlosigkeit doch noch Heimat gefunden habe. Bei Menschen, die das selbe Schicksal haben, Vorurteilslosigkeit, offene Ohren,Trost, Zuversicht und Humor zu finden.

Liebe Grüße Richard

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Sandra Nitya Ulmer




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BeitragVerfasst am: 02.08.2010, 10:02    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo Richard

ich freue mich sehr für Dich, dass Du mit SE eine gute Methode und eine gute Therapeutin gefunden hast und hier im Forum eine gute Stelle für Austausch. UND ich möchte Dir mein Mitgefühl ausdrücken, dass als Traumafolge viel kaputt gegangen ist wie Du schreibst.
Heidelberg ist ja nicht weit von Stuttgart, vielleicht hast Du ja Lust mal vorbeizukommen falls Dich Traseyo (traumasensibles Yoga) interessiert.
Wie auch immer wünsche ich Dir einen weiteren guten (SE) Weg !

Viele Grüße
Nitya

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Richard Till




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BeitragVerfasst am: 02.08.2010, 12:39    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Liebe Nitya,
was ich zu den Traumafolgen geschrieben habe, ist nur die andere Seite. Die eine Seite, nach dem Trauma, lern ich jetzt nach und nach kennen. Das ist wie Weihnachten, mit dem Geschenke auspacken, voller Überrachungen. Nichts "Neues", aber altes Unbeachtetes verliert das Gewöhnlichsein. So zeigt es sich als innerer Wert, den ich in all der Zeit mit mir trug; der mich durch all die Fährnisse getragen hat. Das ist Glück, nur anders als ich mir es immer wünschte. Denn meine Wünsche zielten darauf ab, das Leben in Abkürzungen hinter mich zu bringen. Es ist jetzt das Staunen eines Kindes, das Leben zu entdecken ohne kindisch zu werden. Es ist nichts kaputt gegangen,so komisch das klingt. Es muß altes vergehen, wenn Neues werden will. Ich habe noch keine Sprache gefunden und ich ahne, dass es gar keiner bedarf. Es wird soviel über Transzendenz geredet, alles leeres Geklapper. Von und über etwas reden ist die Manie, alles über den Kopf zubewirken. Es gibt für kein Denken. Im Tun liegt die Wahrheit und ich bin mir inzwischen nicht mehr sicher ob es die überhaut gibt und je gegeben hat. So einfach klingt das. Doch es ist mit der Bereitschaft untrennbar verbunden, das Leid anzunehmen und es zu durchschreiten. Da lerne und staune ich über die Jungen, hier im Forum; die kämpfen da, wo ich Jahre mich im Selbstmitleid gesuhlt habe. Die Zeiten sind und waren ja äußerst kraß unterschiedlich, was den Zeitgeist und den gesellschaftlichen Kontex anbelangt. So will ich auch nicht zu streng mit mir sein und milde lächeln über Unverstand und Unvermögen.

Was Stuttgart anbelangt, das scheitert zur Zeit am Geld, schon für die Fahrkarte. Interessiert bin ich allemal. Deshalb bitte ich Dich, hier im Forum darüber zu berichten, was es damit auf sich hat. Yoga hab ich bei einem
78 Jährigen praktiziert, als mir vor dreißig Jahren die Luft weg blieb. Nach zehn Jahren Atemübungen war ich das Asthma los. Jetzt mach ich Zazen und da ist die Beobachtung des Atmen von zentraler Bedeutung.
Sei lieb gegrüßt
Richard

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